Eine Familie spielt am Strand mit einem Rugby Ball

WELCHE NEBENWIRKUNGEN KÖNNEN AUFTRETEN?

Mehrere Durchstechflaschen auf einem Fließband

Alle Impfstoffe, die heute verfügbar sind und in Deutschland eingesetzt werden, haben ein gutes Sicherheitsprofil. Aber auch bei Impfungen kann es zu Nebenwirkungen kommen. Am häufigsten entstehen Rötungen oder Schwellungen an der Injektionsstelle, man spricht hier auch von lokalen Impfreaktionen. Zudem können Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen und eine erhöhte Temperatur auftreten. Solche Reaktionen sind in der Regel nicht besorgniserregend und ein Zeichen dafür, dass unser Immunsystem so wie gewünscht auf den Impfstoff reagiert. Normalerweise heilen sie innerhalb weniger Tage folgenlos aus.

Impfstoffe enthalten neben den Anteilen, die eine Immunreaktion auslösen können (abgeschwächte Erreger oder Teile davon), weitere Bestandteile, gegen die einige Menschen überempfindlich reagieren können. Dazu gehören Emulgatoren wie Polysorbat oder Konservierungsstoffe wie Phenoxyethanol. Je nach Art des Impfstoffes können außerdem Substanzen, die während der Herstellung verwendet wurden, noch in geringen Konzentrationen enthalten sein. Dazu gehören z. B. Formaldehyd oder bestimmte Antibiotika. Überempfindlichkeiten gegen sonstige Bestandteile von Impfstoffen sind selten. Sollte Ihnen eine solche Empfindlichkeit bekannt sein, teilen Sie dies bitte dem behandelnden Arzt mit. Er kann dann individuell entscheiden, welche Impfstoffe verwendet werden können.

In sehr seltenen Fällen können sogenannte Impfkomplikationen auftreten. Darunter versteht man Nebenwirkungen, die nach einer Impfung auftreten können, die über das übliche Maß der genannten Impfreaktionen hinausgehen. Sollten Sie bei sich oder ihrem Kind vermuten, dass eine solche ungewöhnlich starke Reaktion auftritt, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt, der die Impfung verabreicht hat.

Wer sollte nicht geimpft werden?

Der gesundheitliche Zustand eines Menschen kann Einfluss darauf haben, wie er auf ein Medikament oder eine Behandlung reagiert. Das gilt auch für Impfungen. Individuelle Umstände, die gegen eine Schutzimpfung sprechen, werden als Kontraindikationen bezeichnet.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass es verschiedene Arten von Impfstoffen gibt: Lebendimpfstoffe enthalten Erreger, die grundsätzlich noch lebensfähig, aber so abgeschwächt sind, dass sie die jeweilige Krankheit nicht auslösen können. Dazu gehören zum Beispiel Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln. Totimpfstoffe dagegen enthalten abgetötete Erreger oder nur einzelne Bruchstücke des Virus oder des Bakteriums. Beispiele sind hier die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis) oder Hepatitis A.

Grundsätzlich sollten Impfungen nicht durchgeführt werden, wenn gerade eine akute, behandlungsbedürftige Krankheit durchgemacht wird. Hat ein Kleinkind beispielsweise eine akute Mandel- oder Mittelohrentzündung mit hohem Fieber, sollte mit einer Impfung gewartet werden, bis der Infekt abgeklungen ist. Leichte Infekte mit Fieber unter 38,5 °C sind dagegen kein Ausschlusskriterium für eine Schutzimpfung. Auch schwangere Frauen können grundsätzlich mit Totimpfstoffen geimpft werden, sie sollten ihren behandelnden Arzt aber immer über die Schwangerschaft informieren, damit dieser individuell entscheiden kann, ob eine Impfung durchgeführt werden kann. Für Lebendimpfstoffe gibt es spezifische Einschränkungen. Diese sollten während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden und nachdem eine Frau einen Lebendimpfstoff erhalten hat, sollte möglichst drei Monate danach eine Schwangerschaft vermieden werden. Bei Patienten mit einer Immunschwäche muss gemeinsam mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden, ob Lebendimpfstoffe verabreicht werden können.

Bekannte Allergien gegen Bestandteile eines Impfstoffes, z. B. Hühnereiweiß oder Gelatine, sind ebenfalls eine Kontraindikation.

Schützt eine Impfung wirklich vor einer Erkrankung?

Immer wieder kommt die Frage auf, ob Impfstoffe denn tatsächlich effektiv sind, also zur Ausbildung eines immunologischen Gedächtnisses führen und vor dem Ausbruch einer Krankheit schützen können. Alle Impfstoffe, die in Deutschland eingesetzt werden, erfüllen grundsätzlich ihren Zweck, sonst würden sie von den Behörden nicht zugelassen werden. Trotzdem kann man nicht sagen, dass jede Schutzimpfung bei jedem Menschen zu 100 % wirkt. Denn jeder Körper und jedes Immunsystem ist anders und wir reagieren unterschiedlich auf Impfstoffe. Es gibt tatsächlich Menschen, die nach einer Impfung keine Immunität entwickeln. Man spricht hier auch von „Non-Respondern“. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Nicht-Reagierer“. Diese Fälle sind aber sehr selten. Die Masernimpfung ist z. B. eine sehr wirksame Impfung. Wenn beide Impfungen, die für die sogenannte Grundimmunisierung nötig sind, verabreicht wurden, wird bei 93 bis 99 % der geimpften Personen ein Ausbruch der Erkrankung verhindert und in der Regel bildet sich eine lebenslange Immunität gegen die Masern-Erkrankung aus1.

Wichtig für einen wirksamen Impfschutz ist außerdem, dass Auffrischimpfungen, die ggf. nötig sind, auch durchgeführt werden, da es sonst mit der Zeit zu einer Abschwächung oder einem Verlust des Impfschutzes kommen kann.

Wie werden Impfstoffe hergestellt und kontrolliert?

Bei Impfstoffen kann es immer wieder zur Verfügbarkeits-Engpässen kommen. Ein Hauptgrund dafür ist der sehr aufwendige und langwierige Herstellungsprozess. Wie im Abschnitt Wie funktioniert impfen? erklärt, enthalten Impfstoffe abgeschwächte Erreger oder Teile davon. Im ersten Schritt müssen diese angezüchtet bzw. biotechnologisch produziert werden. Viren werden z. B. häufig auf Hühnereiern kultiviert. Sind nur einzelne Komponenten der Erreger Teil des Impfstoffes, werden komplexe biotechnologische Prozesse für die Produktion und Reinigung angewendet. Allen Prozessen gemein ist, dass große Mengen des Erregers oder der Komponenten in optimaler Qualität benötigt werden, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Dieser Abschnitt der Produktion kann bis zu 24 Monate dauern. In den nachfolgenden Schritten werden die angezüchteten Keime weiterverarbeitet, also z. B. abgetötet oder abgeschwächt und so aufbereitet, dass am Ende der fertige Impfstoff entsteht. Dieser Abschnitt der Produktion kann bis zu 12 Monate in Anspruch nehmen. Insgesamt kann die Herstellung eines Impfstoffes also bis zu 3 Jahre dauern. Dies ist allerdings abhängig vom jeweiligen Impfstoff. Für den Grippeimpfstoff beträgt die Herstellungsdauer z. B. in der Regel 6 Monate.

Während des gesamten Herstellungsprozesses werden umfangreiche und vielfältige Kontrollen durchgeführt, die sicherstellen, dass der produzierte Impfstoff eine einwandfreie Qualität besitzt. Diese Kontrollen nehmen bis zu 70 % der Gesamtdauer einer Produktion ein. Jede Charge – der Fachbegriff für eine einzelne Produktionseinheit – wird mehrfach von Behörden geprüft und einzeln freigegeben. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das sich auch Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel nennt, für die Chargenfreigabe und generell für die nationale Zulassung von Impfstoffen zuständig.

Ein weiterer Grund für Lieferengpässe bei Impfstoffen kann ein unerwarteter Anstieg der weltweiten Nachfrage sein. Durch den langen und komplexen Herstellungsprozess von Impfstoffen ist es nicht möglich, kurzfristig mehr Impfstoff zu produzieren, so dass bei erhöhtem Bedarf die Vorräte erschöpft sein können.

Für die Situation eines Lieferengpasses veröffentlicht die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) Handlungsempfehlungen für Ärzte, die regelmäßig aktualisiert werden. Hier ist unter anderem geregelt, mit welcher Priorität bestimmte Personengruppen bei Engpässen geimpft werden sollten. Sicher ungeimpfte Personen wie Babys haben dann in der Regel Vorrang.

Das Paul-Ehrlich-Institut ist nicht nur für die Zulassung und Chargenfreigabe zuständig, sondern auch für die permanente Kontrolle und Überwachung von Impfstoffen in Deutschland verantwortlich. Wenn eine Person nach einer Schutzimpfung sehr stark reagiert und der behandelnde Arzt vermutet, dass die Reaktion über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgeht, ist er verpflichtet, dies entsprechend der Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes zu melden. Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt all diese Meldungen und bewertet sie. Ärzte und Patienten können Verdachtsfälle auch direkt an das PEI melden. So ist das Institut in der Lage, sehr früh zu erkennen, wenn ein Impfstoff bei vielen Menschen zu ungewöhnlich starken Reaktionen führt und kann entsprechend eingreifen.

In Deutschland sind die Anforderungen, die an die Sicherheit und Verträglichkeit von Impfstoffen gestellt werden, sehr hoch. Denn Impfstoffe sind keine Medikamente, die eingenommen werden, um eine bestehende Krankheit zu behandeln, sondern sollen Krankheiten vermeiden.

Referenzen

  1. RKI Schutzimpfung gegen Masern: Häufig gestellte Fragen und Antworten https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html

MAT-DE-2000104v1.0 05/2020