Blick auf eine Menschenmenge in Bewegung

DIE „ECHTE“ GRIPPE - MEHR ALS EINE ERKÄLTUNG

Eine Frau liegt krank im Bett.

„Ich habe Grippe“ – heißt es oft, wenn man sich eine Erkältung zugezogen hat. Medizinisch ist das nicht richtig, denn eine laufende Nase, Halsschmerzen und Husten rühren in der Regel von einem grippalen Infekt (Erkältung), der zwar auch durch Viren, aber nicht von Grippe-Viren, den Grippe-Erregern, ausgelöst wird.

Nicht alle Grippe- Patienten werden Symptome haben:
Etwa 1–2 Tage nach einer Ansteckung mit Grippeviren erkranken ungefähr zwei Drittel der Betroffenen. Ein Drittel zeigt keine Krankheitszeichen, ist aber dennoch ansteckend.

Ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen tritt bei etwa einem Drittel auf. Typisch sind auch trockener Reizhusten und starke Erschöpfung. Zusätzlich können auch Schweißausbrüche und Halsschmerzen auftreten. Ein Drittel zeigt einen milden Krankheitsverlauf, meist ohne Fieber. Sofern sich der Erkrankte nicht mit weiteren Erregern ansteckt, klingen die Krankheitszeichen in der Regel nach etwa 5–7 Tagen allmählich wieder ab. Zum Teil kann es jedoch mehrere Wochen dauern, bis sich der Erkrankte von der Grippe erholt hat.1

Die Erkrankung kann den Körper sehr schwächen und zu Komplikationen führen. Zusätzlich zur Virusinfektion können sogenannte Sekundärinfektionen hinzukommen, bei denen Bakterien weitere Erkrankungen, z. B. eine Lungenentzündung, verursachen können. Menschen mit anderen gesundheitlichen Problemen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauferkrankungen oder Asthma sind besonders gefährdet, einen schweren oder komplizierten Krankheitsverlauf zu entwickeln, weil ihr Körper die Infektion weniger gut bekämpfen kann. Auch bei älteren Personen über 60 Jahren ist das Risiko für Komplikationen höher. In der Saison 2017/2018 starben z.B. in Deutschland geschätzte 25.000 Menschen an der "echten" Grippe.2 Zum Vergleich: Auf deutschen Straßen kamen im Jahr 2015 3.459 Menschen ums Leben, also 6-mal weniger als durch Grippe3.

Sind Sie gegen Grippe geimpft?

Grippe-Impfung – warum jedes Jahr neu?

Die gute Nachricht ist: Man kann der Erkrankung mit Grippe-Viren vorbeugen, denn eine Impfung ist möglich. Wichtig zu wissen ist aber, dass diese Schutzimpfung jedes Jahr erneuert werden muss. Warum ist das so?

Zunächst gibt es verschiedene Virustypen. Für uns Menschen relevant sind die Grippe-Viren Typ A und Typ B. Besonders das Grippe-Virus Typ A verändert sich ständig und schnell, so dass neue Subtypen entstehen. Auf der ganzen Welt kommen dadurch viele verschiedene Subtypen und Varianten vor. Bei den Grippe Typ B-Viren gibt es wiederum zwei bestehende Virustypen, in diesem Fall auch Typ B-Linien genannt. Die Linien heißen Yamagata und Victoria und kommen heute beide in Deutschland vor. Das führt dazu, dass jedes Jahr andere Grippe-Virus-Subtypen des Typ A und B zirkulieren, die sich in ihren Verhältnissen von Jahr zu Jahr unterscheiden können. Es gibt Jahre, da sind fast nur Grippe-Viren Typ A im Umlauf, in anderen Jahren haben Grippe-Viren Typ B einen großen Anteil. Bei Letzteren ändert sich zusätzlich das Verhältnis zwischen den B-Linien Yamagata und Victoria. Mal tauchen beide gleichermaßen auf, mal verstärkt nur eine der beiden.

Unser Immunsystem ist in der Lage, viele Krankheitserreger, mit denen es schon einmal Kontakt hatte, wiederzuerkennen. So kann es Eindringlinge bei erneutem Kontakt schnell unschädlich machen und eine Erkrankung verhindern. Eine Impfung macht sich diesen Umstand zunutze und sorgt dafür, dass das Immunsystem einen Erreger wiedererkennen und uns so vor Ausbruch der Erkrankung schützen kann. Die verschiedenen Grippe-Virus-Subtypen unterscheiden sich in spezifischen Merkmalen, auch Antigene genannt. Diese bewirken, dass einzelne Subtypen unserem Immunsystem wie völlig neue, unbekannte Viren erscheinen können, selbst, wenn es schon einmal Kontakt mit einem anderen Subtyp hatte. Die jährliche Änderung der Grippe-Viren ist also der Grund dafür, dass wir uns jedes Jahr erneut impfen lassen müssen, um vor der Erkrankung geschützt sein zu können.

Impfstoffe gegen Grippe – eine ständige Entwicklung

Wenn sich die Grippe-Virustypen jede Saison ändern, bedeutet das natürlich, dass auch der Grippe-Impfstoff jedes Jahr verändert werden muss. Nur so kann er uns vor der Erkrankung schützen. Die große Herausforderung dabei ist, vorauszusagen, welche Grippe-Virustypen in der nächsten Saison vermutlich im Umlauf sein werden. Und das selbstverständlich, bevor die Grippe-Saison (bei uns in Deutschland typischerweise im Januar eines Jahres für drei bis vier Monate) startet.

Auf der ganzen Welt beobachten spezialisierte Institute – in Deutschland das Robert Koch-Institut – die zirkulierenden Grippe-Virustypen. Basierend auf diesen Beobachtungen legt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffes für die jeweils bevorstehende Saison fest. Für unsere Region findet dies im Februar/März statt, damit die Hersteller der Grippe-Impfstoffe ausreichend Zeit haben, diese bis zum Start der Impfphase im Herbst zu produzieren.

Seit der Saison 2018/2019 gelten Vierfach-Grippe-Impfstoffe (tetravalente Grippe-Impfstoffe) als Standard.4 Sie decken beide Grippe-Virus Typ B-Linien ab und können einen breiteren Grippe-Impfschutz bieten als die vorherigen Dreifach-Impfstoffe.

Referenzen

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Grippeimpfung bei Erwachsenen. https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/grippe-influenza/
  2. Robert Koch Institut.Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/19. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/6253/RKI_Influenzabericht_2018-19.pdf?sequence=1&isAllowed=y
  3. Statistisches Bundesamt. Unfallbilanz 2015. Pressemitteilung Nr.242 vom 12. Juli 2016. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2016/07/PD16_242_46241.html
  4. AG Influenza der Ständigen Impfkommission (STIKO): Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung des quadrivalenten saisonalen Influenzaimpfstoffs. Epid Bull 2018;2:19 – 28

MAT-DE-2000125v1.0 05/2020