Blick auf eine Menschenmenge in Bewegung

FÜR SÄUGLINGE UND KLEINKINDER

Mutter hält Baby im Arm, Vater schaut Mutter an

Das Immunsystem wird früh gefordert

Eltern von kleinen Kindern kennen es nur zu gut: Babys und Kleinkinder sind sehr anfällig für Infektionen. Besonders, wenn ihre Zeit in der Kita oder im Kindergarten startet, häufen sich Erkältungen und Magen-Darm-Infekte. „Das Immunsystem muss noch trainiert werden“ heißt es oft. Doch was bedeutet das genau und welche Rolle spielen Schutzimpfungen dabei?

Bakterien und Viren unterscheiden sich in ihrem Aufbau und ihrer Zusammensetzung, genauso, wie wir Menschen uns z. B. durch Augenfarbe, Körpergröße oder Hautfarbe unterscheiden. Unser Immunsystem ist in der Lage, Krankheitserreger anhand solcher Merkmale von körpereignen Zellen zu unterscheiden. Schon ab der Geburt sind wir mit einem Grundrepertoire an Mechanismen ausgestattet, die uns vor Krankheitserregern schützen. Dies wird als angeborene Immunität bezeichnet. Unsere Haut und Schleimhäute erschweren Keimen den Weg in unseren Körper. Dringen sie dennoch in uns ein, erkennt das angeborene Immunsystem sie als fremd. In der Folge werden verschiedene Mechanismen ausgelöst, die die Erreger angreifen und unschädlich machen können. Dazu gehören z. B. Fresszellen, spezielle Immunzellen, die ganze Bakterien in sich aufnehmen und abtöten können. Dieses Erkennen ist aber sehr allgemein und unspezifisch. Im Laufe der Zeit kommen wir mit immer mehr Krankheitserregern in Kontakt und die sogenannte erworbene oder auch adaptive Immunität entwickelt sich.

Die erworbene Immunität ist langsamer als die angeborene, dafür aber viel spezifischer. Zu diesem Teil der Immunabwehr gehören spezialisierte Immunzellen, sogenannte T-Zellen und B-Zellen. B-Zellen bilden eine weitere wichtige Komponente der adaptiven Immunität: die Antikörper. Sie sind in der Lage, einzelne Merkmale (auch Antigene genannt) von Krankheitserregern ganz spezifisch zu binden und bekämpfen die Erreger dadurch auf unterschiedliche Weise. Beispielsweise können Antikörper Gifte, die Bakterien produzieren, binden und so dazu führen, dass diese keinen Schaden mehr anrichten können. Oder sie binden an Antigene auf der Oberfläche eines Bakteriums, was dazu führt, dass andere Zellen des Immunsystems den Erreger erkennen und abtöten.

Wenn wir das erste Mal Kontakt mit einem Keim haben, kann das adaptive Immunsystem außerdem sogenannte Gedächtniszellen bilden. Diese Zellen sind in der Lage, einzelne Krankheitserreger bei erneutem Kontakt ganz spezifisch wiederzuerkennen, wodurch eine sogenannte sekundäre Immunantwort ausgelöst wird. Diese ist besonders effektiv, unter anderem, weil die Produktion von spezifischen Antikörpern sehr schnell erfolgen kann. Die Fähigkeit des adaptiven Immunsystems, Gedächtniszellen zu bilden und sich an Erreger zu erinnern, wird auch als „immunologisches Gedächtnis“ bezeichnet.

Wie unter Wie funktioniert impfen? erklärt, nutzen Impfungen dieses Prinzip des Erinnerns aus. Impfstoffe enthalten ganze, aber abgeschwächte Erreger oder Teile davon, die zur Bildung von Gedächtniszellen führen können, ohne dass die Erkrankung wie durch Kontakt mit dem echten Erreger ausbricht. Wenn wir dann tatsächlich mit dem echten Erreger infiziert werden, kann durch die Gedächtniszellen, die sich durch die Impfung bereits gebildet haben, eine schnelle Immunantwort ausgelöst werden, die vor einem Ausbruch der Krankheit schützen kann.

Passiver Impfschutz im frühen Säuglingsalter durch Impfung der werdenden Mutter

Die Grundimmunisierung gegen die meisten Erkrankungen bei Säuglingen beginnt früh. Impfschutz vor Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Polio, Hepatitis B und Pneumokokken empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bereits im Alter von zwei Monaten, vor Rotaviren bereits in der sechsten Lebenswoche.

Zu den Impfempfehlungen der STIKO Im frühen Säuglingsalter sind Babys also nicht durch Impfung gegen Infektionskrankheiten geschützt.

Eine Impfung der werdenden Mutter während der Schwangerschaft kann einen passiven Impfschutz für das Neugeborene erzeugen. Seit März 2020 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Pertussis für schwangere Frauen zu Beginn des 3. Schwangerschaftsdrittels. Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussisimpfungen und in jeder Schwangerschaft erfolgen. Solche Impfungen sind gegen bestimmte Erkrankungen möglich, z.B. gegen Keuchhusten (Pertussis) und Grippe (Influenza). Dabei werden die Antikörper der Mutter über die Plazenta an das ungeborene Kind übertragen. Dann spricht man von Nestschutz.

Passiver Schutz vor Pertussis im frühen Säuglingsalter nach der mütterlichen Immunisierung während der Schwangerschaft

Die STIKO empfiehlt alle zehn Jahre eine Indikationsimpfung gegen Keuchhusten u. a. für Frauen im gebärfähigen Alter, enge Haushaltskontaktpersonen und Betreuende eines Neugeborenen.

Nestschutz kein dauerhafter Immunschutz

Auch beim Stillen können Antikörper weitergegeben werden, allerdings nur in sehr begrenztem Maß. Allgemein ist der Nestschutz kein dauerhafter Immunschutz. Er hält nur wenige Monate nach der Geburt an und kann darüber hinaus z. B. durch Stillen nicht verlängert werden. Zudem entwickelt er sich nur dann, wenn die Mutter eine ausreichende Immunität gegen entsprechende Erkrankungen besitzt.

Daher ist es besonders wichtig, dass Frauen mit Kinderwunsch ihren Impfstatuts kontrollieren lassen, bevor sie schwanger werden und Schutzimpfungen ggf. nachholen oder auffrischen lassen. Der Nestschutz ist also ein natürlicher Schutzmechanismus, der Impfungen im Babyalter allerdings in keinem Fall ersetzen kann.

Die Grundimmunisierung sorgt für den Aufbau eines stabilen Impfschutzes

Der Impfschutz gegen eine bestimmte Erkrankung wird zunächst mit der sogenannten Grundimmunisierung aufgebaut. Dabei wird unser Immunsystem so oft mit Antigenen des Erregers in Kontakt gebracht, bis sich ein immunologisches Gedächtnis ausbildet. Wie oft und in welchem Abstand dafür geimpft werden muss, unterscheidet sich bei den einzelnen Impfungen. Für einen Impfschutz gegen Masern oder Mumps reichen in der Regel z. B. zwei Impfungen aus. Die erste sollte zwischen vollendetem 11. und 14. Lebensmonat und die zweite Impfung frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres, mit 23 Monaten, gegeben werden. Informationen zu den in Deutschland empfohlenen Schutzimpfungen und die jeweils benötigten Impfdosen und Abstände für die Grundimmunisierung können dem Impfkalender entnommen werden, der von der STIKO, der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, erstellt wird.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die verschiedenen Erkrankungen und die entsprechenden Erreger gegen die heute von der STIKO in Deutschland eine Impfung grundsätzlich empfohlen wird. Zur Tabelle

Ziel von Schutzimpfungen ist, den Ausbruch einer Krankheit durch einen spezifischen Erreger zu verhindern. Dafür muss die Immunisierung möglichst stattfinden, bevor der Mensch mit diesem in Kontakt kommt und die Erkrankung ausbrechen kann. Aus diesem Grund wird empfohlen, schon im ersten Lebensjahr mit der Grundimmunisierung gegen verschiedene Krankheiten zu beginnen. Eine Ausnahme bildet die Impfung gegen Humane Papillomviren (HVP). Die Viren sind eine Ursache für die Entstehung von Krebserkrankungen, wie z. B. Gebärmutterhals- oder Peniskrebs. Da diese Viren vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, wird hier die Grundimmunisierung bei Mädchen und Jungen erst im Jugendalter (neun bis 14 Jahren) vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen.

Für einen anhaltenden Impfschutz sollte nach der Grundimmunisierung eines nicht vergessen werden: Impfungen auffrischen.

MAT-DE-2000115v1.0 05/2020